Hüttenleben

Es ist ein ganz gewöhnlicher Freitagmorgen Ende August. Alles könnte so schön sein. Wenn da nicht die Arbeiter im oberen Stockwerk hämmern würden, aus der Uraniawache nicht schon das zweite Mal die Polizei mit Sirene zum Einsatz ausgerückt wäre oder bis vor kurzen die Müllabfuhr direkt unter meinem Bürofenster die Container geleert hätte. Zu allem Übel klingelt ständig das Telefon und das nächste Meeting im Outlookkalender mahnend blinkt.

Man hat nur noch einen Wunsch – raus hier. Aber halt, heute ist es ja endlich wieder soweit, zwei Jagdfreunde und ich fahren in ein verlängertes Jagdwochenende. Seit Tagen habe ich die Ausrüstung zusammengesucht, zurechtgelegt, bzw. das ganze Equipment auf Vordermann gebracht. Allein diese Tätigkeit lässt eine grosse Vorfreude aufkommen, die einem vieles vergessen lässt.

Endlich ist es Mittag, ab nach Hause und die restlichen Gegenstände nebst Lebensmittel ins Auto packen. Schnell werden nochmals die wichtigsten Sachen überprüft. Habe ich die grosse Gasflasche für die Lampe bereitgestellt, ist die komplette Bogenjagdausrüstung schon verstaut?

Tage zuvor überprüfte ich den Stand der Gasflasche, ergänzte die Koch Box mit neuen Streichhölzern, Kerzen und Kienspan welche nun zum Einladen bereit steht. Die frischen Lebensmittel wie Brot, Butter, Salami und Konfitüre kommen in die Kühlbox. Jetzt fehlen noch die Schlafsäcke, Jagdkleider (separat in einem wasser- und luftdichten Kompressionssack verpackt), Ersatzwäsche und das Necessaire. Am Ende haben im Auto gerade noch der Fahrer und zwei Passagiere Platz. Es geht los, das Abenteuer kann beginnen.

Ein Wochenende nur mit kaltem Wasser aus dem Brunnen oder Kanister, ohne Strom in einer einfachen Hütte die mitten in der Wildnis liegt ist herrlich. Strom aus der Steckdose, jederzeit warmes Wasser und Licht – diese Grundlagen unseres heutigen Lebens sind für uns selbstverständlich. In einer Jagdhütte, in der es möglicherweise weder das eine, noch das andere gibt würde manch einer noch auf Welt kommen. Aber zum Glück sind die Geschmäcker verschieden, ansonsten wären die Wälder wohl übervölkert mit genauso Leuten wie wir. Und wo bliebe da die Ruhe und die Zeit zur Muse? Und natürlich freuen wir uns auch auf die kommenden Jagdstunden.

Nach einer längeren Autofahrt wird das letzte Stück über den wenig befahrenen Wald- und Zufahrtsweg bereits genutzt um nach Wild zu spähen. Noch einmal links abbiegen, und vor uns baut sich das grosse Zufahrtstor mit dem Vorhängeschloss auf. Nach dem passieren desselbigen, bzw. wieder verschliessen tut sich nach kurzer Zeit die Lichtung mit der Hütte auf. Rechter Hand ist eine grosse Feuerstelle angelegt. Geradeaus ist die Hütte, dahinter ein kleiner Holzschuppen und rechts das einfache, aber saubere Plumpsklo. Eine kleine, überdachte Veranda mit Tisch und Stühlen auf der Südseite der Hütte rundet das Ganze ab.

Als erstes wird das Auto ausgeladen und die Hütte eingerichtet. Sofort wird ein grosses Feuer am offenen Kamin entfacht – eigentlich egal in welcher Jahreszeit. Wenn es nicht der Wärmezufuhr dient, dann auf jeden Fall der Gemütlichkeit. Direkt neben dem Kamin liegt genug trockenes Holz für ein rasches Feuer, Nachschub für den Aufenthalt gibt es dann hinter der Hütte.

Im Winter dauert es einige Stunden, bis die Hütte auf Temperatur kommt. Diese Zeit muss dann mit heissen Kaffee oder Tee und der richtigen Bekleidung überbrückt werden. Obwohl es jetzt im Spätsommer von der Temperatur recht angenehm warm ist, ist die Luft drinnen kühl und schal, also Fenster öffnen und lüften, damit es in der Hütte nicht klamm wird und modrig riecht.

Während die Flammen langsam durch die trockenen Scheite im Kamin züngeln, räumen wir die Hütte ein. Sämtliche Lebensmittel kommen in den abschliessbaren, hochgestellten Schrank. Sogar die Kühlbox kommt dort hinein. Die Nahrung muss vor Mäusen und Siebenschläfer geschützt werden. Kurze Zeit später sitzen wir mit einer Büchse Bier auf der Bank vor der Hütte und geniessen die letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Beim Hüttenleben kommt man der Natur zwangsläufig sehr nahe. Das Tageslicht ist einer der Faktoren nach dem wir uns richten. Automatisch wird der Rhythmus diesem angepasst, bzw. alle notwendigen Dinge sind mit Vorteil zu erledigen, so lange es noch hell ist. Sei das nun den Holzvorrat aufzufüllen, allenfalls erlegte Tiere zu versorgen etc., etc. Auch ein Stück weiter zu denken wird sich auszahlen - ein Nickerchen nach einem anstrengenden Tag oder das Abendessen kann ich auch ohne Tageslicht machen.

Auch die tägliche Körperpflege darf auf keinen Fall vernachlässigt werden. Zähneputzen und einen Katzenwäsche sind am Morgen ein "must" - nur schon des Jagens wegen. Den grossen "Waschgang" legt man am besten in die Mittagszeit oder vor den Abendansitz (auch hier wieder zählt der jagdliche Gedanke), um die Sonnenstrahlen als Wärmequelle zu nutzen. Auch kann man einen schwarzen Wassersack (günstig aus dem Armee-Liq-shop der Schweizer Armee) gleich morgens an einen Baum hängen. Durch das Sonnenlicht erwärmt sich der Inhalt auf eine angenehme Temperatur. Oder man ist ein wenig härter und gibt sich mit kaltem Wasser zufrieden. Es geht natürlich auch mit Mischwasser (kalt/heiss) vom Herd. Hauptsache man tut es.

Das menschliche Bedürfnis - der Stuhlgang - ist im Hüttenleben ein gern verschwiegenes Thema. Die wenigsten Jagdhütten verfügen über grossen Komfort. Dazu gehört dann neben Strom und fliessend Wasser auch eine normale Toilette. Vielfach muss man mit einem Plumpsklo vorlieb nehmen. Vielleicht steht auch nur der Wald zur Verfügung, inkl. Mücken und strömenden Regen. Wie auch immer - sicher ein Thema mit dem man sich früher oder später auseinander setzen muss.

Auch auf einem zweiflammigen Gaskocher lassen sich mit ein wenig Geschick auch mehrgängige Menüs kochen. Mit Holz beheizbare Küchenherde sind nicht unbedingt bequemer, aber man ist flexibler, nur sind diese wohl nicht in jeder Jagdhütte anzutreffen. Für die Jäger-Pfanne aus frischer Leber und Herz an gedünsteten Zwiebeln reicht aber zur Not auch eine einfache Feuerstelle aus. Ganz wichtig sind Gewürze oder ein Bouillonwürfel mit dem kann man schnell eine heisse Suppe nach kalten Ansitzen aus dem Nichts zaubern kann. Den Abwasch des Geschirrs erledigen man am Besten gleich nach dem Essen. Wasser gibt es aus dem Brunnen vor der Hütte oder aus mitgebrachten Kanistern - je nach Verwendung wird es vorher abgekocht.

Zwei Gaslampen und ein paar Kerzen tauchen den Raum in ein gemütliches Licht. Der Büroalltag ist schnell vergessen. Draussen ist es mittlerweile dunkel geworden. Das Übernachten in einer Jagdhütte ist einzigartig. Den ganzen Tag war man an der frischen Luft, ging zur Jagd oder erledigte Arbeiten rund um die Hütte. Zum Einschlafen begleiten einem dann die Geräusche des Waldes oder der Regen prasselt auf das Hüttendach, während es drinnen warm und trocken ist. Wenn das Feuer im Kamin heruntergebrannt ist, wacht man in der kälteren Jahreszeit automatisch auf. Aufstehen und Holz nachlegen oder sich tiefer im Schlafsack verkriechen sind dann die Optionen.

Es ist auch schon vorgekommen, dass wird den Morgenansitz verschlafen haben. Erschöpft von der für die einen ungewohnten, körperlichen Arbeit, schliefen wir tief und fest, bzw. hatten vergessen, den Wecker zu stellen. Kein Hahn kräht im Wald. In der Regel geht es jedoch früh aus den Federn und nach einem kleinen Frühstück, meist nur ein Kaffee und ein Stück Brot, auf die Morgenpirsch.

Nach einem möglicherweise erfolgreichen Morgenansitz, dem Versorgen des erlegten Stückes, genehmigen wir uns ein verspätetes, reichhaltiges Frühstück. Erledigen die täglichen Arbeiten wie das Auffüllen der Holz- und Wasservorräte, vorbereiten des Abendessens, bzw. bereiten uns für den Abendansitz vor.

Und so verbringen wir die nächsten Tage in kameradschaftlicher Eintracht, lachen und essen viel, erzählen uns Jagdgeschichten draussen am Lagerfeuer oder drinnen am offenen Kamin. Und natürlich gehen wir auf Jagd, bis es leider wieder Zeit ist unsere Siebensachen zusammenzupacken und wieder in die Zivilisation und den Alltag zu unseren Familien und Freunde zurückzukehren.

Bogenjagderlebnis im Elsass

Es ist Mitte Oktober, der Wald leuchtet in intensiven Farbtönen und die Hirsche haben erst vor kurzem aufgehört zu Röhren. Langsam sollte wieder Ruhe im Revier einkehren, doch die Brunft hat alle Wildarten auf Trab gehalten und es wird noch etwas dauern, bis sich bei allen der natürliche Ablauf wieder einstellt.

Mein Sohn Lorenzo und ich sind eine Woche im Revier Grendelbruch, in der Nähe von Strassburg und wollen zusammen eine gute Zeit erleben, aber auch versuchen, ein frei gegebenes Stück Wild zu erlegen. Der Jagdpächter ist wegen dringenden Angelegenheiten leider nicht anwesend und so müssen wir improvisieren und versuchen das Beste aus der Situation zu machen.

Gleich am Ankunftstag habe ich in der Nähe einer Fütterung mein Blind aufgestellt, damit das Wild genügend Zeit hat, um sich an die veränderte Situation zu gewöhnen. Nach fünf Ruhetagen versuche ich abends mein Glück. Die letzten Tage hat es stark gewindet und das Jagen war sehr schwierig, wobei der Wind die Wolken weggeblasen hat und uns einige sonnige Herbsttage beschert hat. Lorenzo habe ich auf die Kanzel geschickt, die etwa 50 Meter vom Blind entfernt steht und ihn angewiesen keinen Mucks zu machen, die Fenster geschlossen zu lassen und sich im Hintergrund zu halten.

Ich selber habe meinen Tarnanzug sowie leichte Handschuhe und eine Gesichtsmaske an, um möglichst nicht aufzufallen. Der Blind ist nicht wirklich gross, aber letztes Jahr habe ich im September, beim VSBJ-Event in San Bernardino, einige Schüsse daraus abgegeben und weiss, dass ich diagonal Aufziehen muss, um das Tuch nicht zu berühren. Rasch habe ich mit dem Entfernungsmesser die wichtigsten Bäume und Eckpunkte ausgemessen und mir die Distanzen gemerkt - weiter als 20 Meter will ich nicht schiessen. Ich richte mich im Blind ein und ziehe auch einmal auf, damit ich weiss wie ich mich im Ernstfall zu verhalten habe.

Bewegungslos und nur leicht atmend sitze ich etwa 15 Meter von der Fütterung weg und warte. Langsam kehrt im Wald Ruhe ein, die Vögel zwitschern noch ein letztes Mal und die Schatten werden länger. Nichts regt sich - ich warte. In Gedanken gehe ich nochmals meinen Bewegungsablauf durch, atme langsam durch den Bauch und halte auch mal die Luft an, um meinen Körper darauf einzustellen, dass ich beim Zielen, wegen der Spannung, weniger regelmässig atmen werde. Das Licht schwindet langsam und eigentlich wäre es Zeit, dass die ersten Rehe auf der Bildfläche erscheinen sollten.

Plötzlich bemerke ich eine Bewegung, es ist nicht das erhoffte „Grosswild“ sondern ein Hase, der sich über den ausgestreuten Mais hermacht. Er ist nur etwa 12 Meter von mir entfernt, hat sich jedoch so hinter einer Wurzel platziert, dass nur die obere Hälfte seines Rückens frei ist, d.h. ich müsste ein Ziel von etwa 20 x 5 cm treffen und das am Rücken, wo sich die zarten Filets befinden. Wenn ich jetzt schiesse riskiere ich den Hasen derart zu verunstalten, dass er nicht mehr verwertet werden kann und bloss um zu töten gehe ich nicht auf die Jagd. Somit lasse ich ihn ruhig weiter äsen, beobachte ihn mit dem Feldstecher und studiere seine Anatomie.

Als er sich entfernt ist es bereits dunkle Nacht, ich trete aus dem Blind und winke Lorenzo herbei. Nach einigen Minuten ist er bei mir und wir machen uns auf den Heimweg, zwar ohne Beute jedoch mit schönen Eindrücken aus dieser wunderschönen Gegend.

Bogenjagd in Frankreich

Bereits zum 16. Mal habe ich eine Gruppe Bogenjäger nach Frankreich geführt.

Wie in jedem Jahr trafen wir uns am Vorabend bei mir zu Hause um uns gemeinsam auf die Jagd einzustimmen. Nach einem ausgiebigen Aser, bei dem der eine oder andere Jäger von seinem selbst erlegtem Wild mitgebracht hat, haben sich die meistes in ihre Schlafsäcke verkrochen. Fünf Uhr früh war Abfahrt. Wie geplant trafen wir am Mittag im Jagdgebiet ein. Eine Stunde später sassen schon alle mit Jagdkleidung ausgerüstet beim Mittagessen. Nach einer kurzen Besprechung mit dem Jagdaufseher, bei welcher erörtert wurde was in diesem Jahr bejagt werden darf, sind alle losgezogen um endlich wieder mit Pfeil und Bogen draussen sein zu können und nach Möglichkeit ein Stück Wild zu erlegen.

Da im letzten Herbst ein Mastjahr war und die Eicheln dem Wild fast aus dem Gebrech gefallen ist, haben wir nicht so viel Sauen gesehen wie in anderen Jahren. Einige Dam- und Rothirsche waren auf den Läufen. Wir mussten feststellen, dass sich die Jagd schwieriger gestaltete als in anderen Jahren. Am zweiten Tag war der Bann gebrochen und es lag eine Hirschkuh.

Bei herrlichem Wetter genossen wir jeden einzelnen Tag den wir im Wald verbringen konnten. Der Gesellschaftliche Teil wurde natürlich auch gepflegt. Am Abend zusammen vor dem grossen Kamin zu sitzen und diverse Jagdgeschichten anzuhören war genauso wichtig wie über die Mittagszeit einen Stand einzurichten oder draussen in der Sonne ein wenig zu dösen.

Im Rückblick muss man aber sagen es war wie immer eine wunderschöne Jagdwoche mit vielen aufregenden Momenten. Welcher Jäger kennt sie nicht, diese Augenblicke, wenn nach langem Warten oder Pirschen plötzlich ein Tier auftaucht. Wenn das Adrenalin in die Adern schiesst und man sich konzentrieren muss, damit man noch sauber arbeiten kann.

Nach unserer Jagdwoche war der Erfolg mässig. Es lag eine Hirschkuh, eine Sikakuh, ein Damspiesser, ein Damkalb und ein Fasan.

Die ganze Jagdgruppe freut sich auf jeden Fall schon auf die nächste Jagd! (einige zählen sogar die Tage!!!)

Allen ein kräftiges Waidmannsheil im neuen Jagdjahr!

Harry

Bogenjagd in Südafrika

kudu francesco

Ich jage Anfang Oktober 2012 mit zwei meiner Söhne im Norden Südafrikas, genauer in der Nähe von Musina, 12 Km von der Grenze zu Zimbabwe. Wir wollen Plains Game jagen, sie mit der Flinte und ich mit dem Bogen. Wir werden von einem Professional Hunter Bennie sowie dem Game Ranch Manager betreut. Auf dieser Jagdfarm wird strikte nicht vom Fahrzeug aus geschossen, sondern, wenn ein interessantes Wild gesichtet wurde, abgestiegen und zu Fuss gepirscht, auch das Ansitzen an einem Wasserloch oder Futterplatz wird nicht gefördert.


Früh am ersten Morgen begleite ich Dario, der das 1. Mal jagt. Er hat ein Warzenschwein sowie ein Impala frei. Nachdem er und Bennie einen sehr guten Warzenkeiler erfolglos angegangen sind, entschliessen wir uns in die Gegend eines ausgetrockneten Flussbettes zu gehen. Angekommen verlassen wir den Jeep und pirschen dem Flussbett entlang. Plötzlich sehen wir rechts, etwa 50 Meter oberhalb von uns 2 Giraffen, welche von uns abgewendet Blätter von einem Baum zupfen. Ein grosser, liegender Baumstamm, hinter dem wir uns ducken, verbirgt uns vor ihrem scharfen Blick. Bennie der PH geht vorsichtig einige Schritte in ihre Richtung, steht auf und flüstert aufgeregt, dass unterhalb der 2 Giraffen ein Kudu äst. Er sagt ich könne ihn mit dem Bogen schiessen, wir müssten uns aber noch etwas näher anschleichen. Zwischen uns und dem Kudu ist ein etwa 2 Meter hoher Erdwall in dessen Richtung wir uns kriechend hinbewegen. Wer schon einmal in Afrika war, weiss, dass der Boden mit Dornen übersät ist, d.h. wir müssen gut achtgeben wo wir uns mit den Knien abstützen und immer wieder Dornen beiseite wischen. Bennie steht nach einem guten Stück wieder vorsichtig auf und zeichnet eine 40 in den Sand, das ist die Distanz die ihm der Distanzmesser angibt. Ich schüttle den Kopf und nicke in Richtung Kudu, der sich hinter dem Erdwall verbirgt. Wir kriechen weiter, mein Herz schlägt immer heftiger. Bennie erhebt sich wieder, misst die Distanz und zeichnet nun eine 32 in den Sand, das geht – muss gehen! Ich spanne vorsichtig den Bogen und stehe langsam und vorsichtig auf. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass zumindest eine der Giraffen interessiert auf uns herunterschaut, zwar ohne zu verstehe was diese maskierten Wesen treiben, aber ich bin mir plötzlich bewusst was passiert, wenn sie erschrocken abgeht . . . Diese Erkenntnis erhöht meinen Puls zusätzlich und ich weiss, dass jetzt alles rasch passieren muss.


Der Kudu äst friedlich leicht von uns abgewendet, der Kopf schaut nach links in Windrichtung - das passt! Ich fahre mit dem Zielstachel von hinten nach vorne und sobald ich das Blatt erreicht habe etwas retour, da er ja abgewinkelt steht. Ich senke den Stachel minim, weil ich leicht aufwärts schiessen muss und dann lasse ich fliegen. Der Kudu springt abrupt ab, genau wie die 2 Giraffen. Ich habe nicht genau gesehen wohin der Pfeil geflogen ist, habe aber den Eindruck, dass ich gut abgekommen bin, obwohl ich mir für das Zielen eigentlich zu wenig Zeit genommen habe. Er macht einen Bogen nach rechts, verschwindet kurz hinter Büschen und erscheint dann oberhalb von uns in etwa 50 Meter Entfernung, wo er kurz verhofft und zu uns schaut. Ich erkenne, dass er am unteren Halsansatz eine Verletzung hat, aus welcher der Pfeil hängt und er daraus schweisst. Er wendet sich ab, entfernt sich weg von uns und entschwindet unseren Blicken, da wir wie gesagt tiefer stehen. Wir warten eine Zeitlang, lassen Dario zu uns aufschliessen, der hinter dem Baum gewartet hat und erzählen ihm die Geschehnisse. Nachdem wir unseren Standpunkt markiert haben gehen wir zuerst zum Anschuss und sehen uns die markanten Abdrücke an, die der Kudu hinterlassen hat. Wir folgen den tracks und gelangen zum Punkt wo er verhofft und uns angeschaut hat. Hier beginnt auch die Schweisspur, der wir nun aufmerksam folgen. Es hat links und rechts der Fährte klar sichtbare Schweisstropfen, was darauf schliessen lässt, dass er eine Wunde hat, aus der er kontinuierlich eine ansehnliche Menge Schweiss verliert. Kurz darauf finden wir den Pfeil, der voller Blut ist. Wir gehen langsam weiter, immer der Spur nach und prüfen immer wieder die Windrichtung. Wir wollen nicht zu nahe aufschliessen, damit er sich hoffentlich in ein Wundbett niederlässt. Nach etwa 250 - 300 Metern erkennen wir unter einem etwas grösseren Busch einen dunklen Wildkörper. Wir schleichen vorsichtig näher, ich habe nun die Spitze übernommen. Der Kudu „sitzt“ mit aufrechtem Kopf da und scheint zu schwach um aufzustehen. Auf 15 Meter etwa spanne ich wiederum den Bogen, ziele diesmal sehr sorgfältig und ohne Hast und schiesse einen Pfeil Richtung Blatt. Er steht schlagartig auf und wendet sich um 180 Grad. Ich habe in der Zwischenzeit einen neuen Pfeil aufgelegt und schiesse nochmals hinter den Vorderlauf auf Blatt. Er bricht hinten ein, rollt ab und bleibt liegen.


Ich kann es kaum fassen – einer meiner sehnlichsten Jagd-Wünsche ist in Erfüllung gegangen, eine grosse Antilope auf der Pirsch zu erlegen.

schusskanal

Schussdistanz: etwa 30 Meter
 
Bogen, Auszugsgewicht: PSE X-Force, Modell 2009, knapp 70 Pfund
 
Pfeil: Easton mit NapNap Befiederung, Total 450 grains
 
Broadhead: Montec, 125 grains
 
Kudu: Gewicht ca. 260 Kg, Alter ca. 8-9 Jahre alt
 
Hornlänge: 49 inch (=124.5 cm)

Zusätzliche Informationen

Web Analytics