Fenix TK16 - eine Lampe für den Bogenjäger?

Eine (Taschen-)Lampe gehört zum Bogenjäger wie Pfeil und Bogen oder das Jagdmesser – fragt sich nur welche. Soll es eine Taschenlampe oder doch lieber eine Kopf- bzw. Stirnlampe sein? Leistungsfähig muss sie auf jeden Fall sein, am besten mit mehreren Leuchtstufen. Li-Ion Akkus oder doch lieber konventionelle Batterien, welche es an jeder Strassenecke gibt? Wasserdicht, mindestens Spritzwasserfest wäre auch gut. Kompakt und robust sind weitere Anforderungen.

Mit diesem Pflichtenheft im Hinterkopf habe ich angefangen mir Gedanken zu meiner neuen Wunschlampe zu machen. Zurzeit habe ich eine LedLenser P7, welche ca. 6 Jahren auf dem Buckel hat. Diese wird mit 3 AAA Batterien betrieben und bringt knapp 200 Lumen Lichtausbeute.

In einem Forum speziell für Taschenlampen habe ich angefangen Informationen zu sammeln. Schnell wurde klar, dass nur mit einem leistungsfähigen Lithium-Ionen Akku (Li-Ion) auch wirklich höhere Lumenwerte erreicht werden. Neben den hohen Initialkosten für die Akkus kommt auch noch ein Ladegerät dazu. Und da der Umgang mit Li-Ion Akkus nicht ganz ungefährlich ist, sollte man hier auch nicht auf billige Chinaware zurückgreifen, sondern eher hochpreisige Qualitätsprodukte verwenden.

Wenn man hingegen die Kosten für Batterien, z.B. für CR123A Batterien, den Kosten der Akkus gegenüberstellt, wird schnell klar, dass man mit Akkus langfristig besser fährt. So habe ich mich zuerst in die Thematik der Lithium-Ionen Akkus eingelesen. Erst danach habe ich mir Gedanken über eine Lampe gemacht. Aber Achtung, nicht jeder Akku (gleiche Bezeichnung - z. B. 18650er - aber anderer Hersteller/Kapazität) passt in jede Lampe.

Und wie der Zufall es wollte, habe ich mich über das oben genannte Forum für eine Testkampagne einer bekannten Taschenlampenfirma beworben und wurde prompt ausgewählt. Neben Australien, den USA, China und ein paar andere Länder, ist nun auch die Schweiz durch den VSBJ bzw. durch meine Person vertreten. Und diese Taschenlampe in einer sogenannten Tactical Bauweise will ich nun vorstellen.

Fenix Global Testing Campaign

Diese Woche habe ich nun die Lampe für die Global Testing Campaign erhalten. Besten Dank an Lynn von Fenixlight bzw. fenixlight.ch (Schweiz) für die prompte Zustellung und Abwicklung. Zusätzlich wurde noch eine Waffenmontage und eine Fernbedienung (Kabelschalter) mitgeliefert – mehr dazu später.

Es handelt sich um die neue TK16 von Fenix mit einer maximalen Lichtausbeute von 1000 Lumen.

Beworben wird die Fenix TK16 unter anderem mit dem neuen Dual Tactical Tail Switch. Dieser Zweifachendkappenschalter ermöglicht eine sogenannte "one-finger" Bedienung. Ausgestattet ist die Lampe zudem mit 4 Leuchtstufen und einem versteckten Strobo.

Die gelb-schwarze, etwas billig wirkende Kartonverpackung mit durchsichtigem Kunststoffeinsatz kommt mit folgendem Lieferumfang daher:

Lieferumgang Testset

Lieferumgang (Bild Verfasser)

  • Fenix TK16 Lampe
  • Holster
  • Lanyard
  • Ersatz O-Ringe
  • Garantiekarte
  • Bedienungsanleitung (DE, EN, FR, IT, CN, RU)

Aussehen

Die matt glänzend, schwarze Lampe ist in einem klar strukturierten Design gestaltet. Der Lampenkopf hat durch den Reflektor einen maximalen Aussendurchmesser von 34 mm, während das Batterierohr mit 25 mm deutlich dünner ist. Die markant eckige Kontur am Lampenkopf verhindert einerseits das Wegrollen, andererseits wirkt sie unterstützend um mit dem Bezel (wellenförmigem Kopfabschluss) eine Scheibe etc. einzuschlagen zu können – die Lampe geht ja unter "Tactical".

Mit einer Länge von 140 mm und einem Gewicht von 122 g (ohne Batterien) ist die Lampe irgendwo im mittleren Bereich anzusiedeln. Die Lasergravur mit dem Namensschriftzug der Herstellerfirma und Modellbezeichnung ist sauber ausgeführt, eine Seriennummer, CE FCC RoHS (Restriction of Hazardous Substances) und einem Warnhinweis (Symbol) für den möglicherweise heissen Lampenkopf sind zusätzlich eingelasert.

Auf Kühlrippen wurde verzichtet. Am Heck befindet sich der neue Zweifachschalter. Dadurch wird zwar ein Tailstand (die Lampe lässt sich auf eine ebene Fläche stellen, dass der Reflektor nach oben zeigt) verhindert, was die Bedienung mit Handschuhen aber deutlich erleichtert. Eine stabile Öse für eine Fangschnur ist an der Tailcap vorhanden.

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Fenix TK16 (Bild Verfasser)

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Fenix TK16 (Bild Verfasser)

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Lampenkopf (Bild Verfasser)

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Beschriftung Fenix TK16 (Bild Verfasser)

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Tailcap Fenix TK16 (Bild Verfasser)

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Gewinde Fenix TK16 (Bild Verfasser)

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Holster Fenix TK16 (Bild Verfasser)

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Grössenvergleich von vergleichbaren Produkten v.l.n.r. Armytek Predator, Thrunite TN12 und Fenix TK16 (Bild Verfasser)

Technische Daten (Herstellerangaben):

  • CREE XM-L2 U2 LED mit kaltweisser (cool-white) Lichtfarbe mit einer Lebensdauer von 50'000 Stunden
  • Durch digitale Steuerung nahezu konstante Helligkeitsregelung
  • Betrieben mit 1x 18650 Li-Ion Akku oder 2x CR123A Li-Batterien (16340 Akkus werden nicht empfohlen, da damit gemäss dem Hersteller die anvisierte Performance nicht erreicht wird)
  • Masse ca: 140 mm (Länge) x 25 mm (Durchmesser) x 34 mm (Lampenkopf) (5.5" x 1" x 1.3")
  • Gewicht: 122 g (ohne Batterie)
  • Verpolungsschutz bzw. Schutz gegen falsch eingelegte Batterien
  • 4 Helligkeitsstufen + Stroboskop (versteckt)
  • Ein-/Ausschalten über Endschalter
  • Auswahl der Leuchtstufen über zweiten Endschalter (seitlich am Lampenende)
  • Rutschfestes Wegroll-Design
  • Momentlicht
  • Warnfunktion bei niedriger Akku-Spannung (3x Blinken alle 5 Minuten)
  • Memory (zuletzt benutzte Leuchtstufe wird gespeichert)
  • Sturzsicher bis 1m, wasserdicht bis 2 Meter (IPX-8)
  • Gehäuse mit Dual-Layer-Body und aus Aircraft-grade (Type III widerstandsfähige Anodiesierung) Aluminium
  • Gehärtetes und mit Anti-Reflex beschichtetes Frontglas
  • Glatter hochglanzpolierter Alu-Reflektor

Handhabung und Verarbeitung

Die Fenix TK16 wirkt kompakt, massiv (Dual Layer Body) und sehr robust - sie wirkt, als wäre sie aus einem Guss. Das Gewicht ist sehr gleichmässig verteilt, mit Akku ergibt sich eine ausgeglichene Balance, weshalb die Lampe angenehm zu halten ist, ohne störend heck- oder kopflastig zu wirken.

Das Batterierohr ist in einem griffigen, rutschfesten Design gehalten. Zusammen mit dem Wegroll-Ring bleibt die Lampe in jeder Lebenslage sicher in trockenen wie nassen Händen.

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Lampenkörper Fenix TK16 (Bild Verfasser)

Der aus Metall und solide gefertigte, abnehmbare Gürtelclip hält äusserst straff am Lampenkörper und sorgt für eine sichere Befestigung an Gürtel oder Hose.

Das leuchtende Herz der Taschenlampe – die LED

Die Fenix TK16 ist mit einer Cree XM-L2 U2 LED in cool-white bestückt, die mittig eines glatten Reflektors zentriert ist. Die eingebaute Treiberelektronik holt aus der LED gemäss Hersteller 1000 Lumen und eine Reichweite von bis zu 240m raus. Anscheinend ist die Fenix TK16 (gemäss meinen Recherchen) nur in dieser Lichtfarbe erhältlich.

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LED Fenix TK16 (Bild Verfasser)

Dual Tactical Switch

Die Fenix TK16 verfügt über einen sogenannten Dual Tactical Switch. Dieser besteht aus dem eigentlichen Tactical Switch sowie aus dem Mode Switch. Beide Schalter befinden sich am Lampenende.

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Dual Tactical Switch Fenix TK16 (Bild Verfasser)

Die Bedienung erfolgt einfach mit einer Hand über den 2-Schalter-Tailcap. Mit dem grösseren (End-)Schalter wird das Ein-/Ausschalten bewerkstelligt, sowie die "Momentlicht" Funktion bedient. Mit dem kleineren Schalter wird die Auswahl der Leuchtstufen sowie der Instant-Strobo gesteuert – ideal für "one-finger" Bedienung. Der grosse wie auch der kleinere Schalter am Zweifachendschalter haben einen eindeutigen und straffen Druckpunkt mit hörbarem Klickgeräusch.

Bedienung/User-Interface (UI)

  • Ein-/Ausschalten --> Endschalter
  • Momentlicht --> Endschalter
  • Leuchtstufenwechsel --> Seitenschalter neben Endschalter am Tailcap (Reihenfolge von dunkel nach hell)
  • Stroboskop --> bei eingeschalteter Lampe Seitenschalter neben Endschalter am Tailcap gedrückt halten > 1s, bei ausgeschalteter Lampe drücken und halten für Instant-Strobo
  • Memoryfunktion, bzw. die Fenix TK16 merkt sich die zuletzt genutzte Helligkeitsstufe (ohne Strobo)

Überhitzungsschutz

Da im Turbo Modus viel Hitze erzeugt wird, schaltet die Lampe nach 20 Minuten in den mittleren Modus.

Akku-Leer-Warnung

Die Fenix TK16 signalisiert dem Benutzer mit 3x Blinken alle 5 Minuten, dass der Akku oder die Batterien dringend ausgewechselt werden müssen.

Qualitätseindruck

Die Verarbeitung hinterlässt einen qualitativ hochstehenden Eindruck. Die LED ist einwandfrei zentriert und die Anodisierung ohne Fehlstellen.

Laufzeitverhalten und Lumen

Grafik gemäss Hersteller. Eigene Tests wurden mit einem Akku 18650 von Keeppower mit 3400 mAh und 2 CR123A von Duracell durchgeführt. Da mir die technischen Hilfsmittel für Messung von Laufzeitverhalten, Lumen etc. fehlen, wurden hier die Daten des Herstellers übernommen.

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Laufzeitverhalten Fenix TK16 (Quelle/Bild Hersteller/Verfasser)

Jagdliche Anwendung

Wie oben beschrieben gab es in der Lieferung des Testsets noch eine Waffenmontage sowie ein passender Kabelschalter (Fernbedienung) speziell für die Jagd bzw. die Büchse. Für den Bogenjäger ist diese Zusatzausrüstung nur bedingt nutzbar, da der Bogenjäger nicht in der Nacht bzw. im Dunkeln jagt.

Ausserdem gäbe es noch verschiedene Farbfilter Aufsätze, in der Farbe rot, grün oder blau. Durch einen solchen Filter wird das Wild unter Umständen weniger beunruhigt bzw. vergrämt. Der blaue Filter würde das Auffinden von Schweiss (Blut in der Jägersprache) erleichtern. Diese waren aber im Testset nicht inbegriffen.

Ein Kabelschalter ist insofern interessant, da damit eine theoretisch lautlose Aktivierung der Lampe möglich ist. Gerade bei Wildbeobachtung oder Zählung kann dies von Vorteil sein. Der mitgelieferte Kabelschalter hat einen relativ grossen und massiven Kombinationsschalter und besitzt ein dickes Ringelkabel, welches bis auf ca. 60 cm ausgezogen werden kann. Der Tailcap wird einfach mit dem Kabelschalter ersetzt und man hat eine Fernbedienung. Jedoch ist der Kabelschalter von Fenix suboptimal bzw. lässt sich nicht wirklich lautlos betätigen. Dafür kann man alle Leuchtstufen über die Fernbedienung steuern. Dies ist zwar soweit bemerkenswert, jedoch gibt es von anderen Herstellern bessere Lösungen – siehe auch Vergleich mit einem Produkt von Armytek. Die mitgelieferte Waffenmontage ist für unseren Zwecke nur bedingt geeignet. Auch für eine Büchse nur mit einer entsprechenden Aufnahmeschiene (Picatinny/Weaver Rail), welche in Europa jagdlich fast nicht zur Anwendung kommt. Besser bewährt sich hier die Universalmontage, welche von verschiedenen Herstellern preiswert angeboten wird.

Kabelschalter montiert

Kabelschalter an der Fenix TK16 montiert (Bild Verfasser)

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Vergleich Kabelschalter Fenix AER-03 vs. Armytek ARS-25 (Bild Verfasser)

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Kombinationsschalter Fernbedienung AER-03 (Bild Verfasser)

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Waffenmontage ALG-01, passend zu Picatinny/Weaver Rail (Bild Verfasser)

Theoretisch könnte die Lampe mit einem Universalhalter (eine Montage mit Magneten wie z. B. von Olight wäre hier möglicherweise ein bessere Option) am Stabilisator montiert werden, dies wird wohl auch in den USA so gemacht und bei der Nachtjagd eingesetzt. Für uns ist dies aber aus obigen Gründen (der Bogenjäger jagt nicht in der Nacht/im Dunkeln) keine Option.

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Universalmontage (Bild Verfasser)

TK16 am Bogen

Beispiel einer Montage an einem Compound Bogen (Bild Verfasser, A.d.V.: Der VSBJ lehnt die Nachtjagd - wo überhaupt erlaubt - mit dem Bogen ab)

R8 Blaser montiert

Beispiel einer Montage auf einer Blaser R8 (Bild Verfasser, A.d.V.: In der Schweiz ist die Jagd auf gewisse Wildarten je nach Kanton mit Licht erlaubt)

Hingegen hätte ich gerne die verschiedenen Filter getestet. Speziell den blauen Filter bei einer Nachsuche auf Schweiss – leider waren keine Filter im Lieferumfang des Testpakets.

Lichtimpressionen

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Fenix TK16 mit 10 Lumen auf Baum ca. 50m (Bild Verfasser)

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Fenix TK16 mit 150 Lumen auf Baum ca. 50m (Bild Verfasser)

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Fenix TK16 mit 400 Lumen auf Baum ca. 50m (Bild Verfasser)

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Fenix TK16 mit 1000 Lumen auf Baum ca. 50m (Bild Verfasser)

Fazit

Die kompakte und robuste Fenix TK16 hinterlässt einen qualitativ hochwertigen Eindruck. Die Lampe liegt angenehm und ausgewogen in der Hand. Der Zweifachschalter am Lampenende, welcher mit einer Hand bedient werden kann, macht soweit Sinn und ist funktionell. Ob er sich in der Praxis bewährt wird sich zeigen. Noch ungeübt, im Dunkeln, war der Schalter nicht immer auf anhin ertastbar.

Für mich ist diese Lampe ideal für die Bogenjagd bei Nachsuchen etc. Gerade bei einer Nachsuche ist mir eine Lampe in Tactical Bauweise lieber als eine Kopflampe. Zum Aufbrechen wie auch für andere Tätigkeiten bevorzuge ich jedoch eine Stirnlampe, diese führe ich zusätzlich noch im Rucksack mit. Für eine Montage am Bogen mit dem zusätzlichen Zubehör bzw. der Gewehrjagd gibt es jedoch bessere Lösungen. Der Kabelschalter mit dem Kombinationsschalter ist für meinen Geschmack zu gross geraten bzw. hat zu viele Funktionen. Eine Fehlmanipulation bei Stress etc., z. B. aktivieren des Strobos anstatt des Momentlichts, ist nicht auszuschliessen.

Die Abstufung der Helligkeitsstufen ist für mich gelungen, zwischen Turbo mit 1000 Lumen und High 400 Lumen ist der Unterschied fürs Auge klar sichtbar. Den Sprung finde ich persönlich recht gross, aber 400 Lumen ist immer noch ein guter Wert für den "Dauerbetrieb". 150 Lumen für Mid ist dann nochmals deutlich weniger. Ganz gut hat mir die Low Stufe mit 10 Lumen gefallen. Gerade im Low Modus empfinde ich viele Lampen zu hell. Das Leuchtergebnis gefällt mir gut – siehe auch Bilder.

Ich habe die meisten Tests mit einem 18650 Akku (Keeppower 3400) durchgeführt. Nach meiner Meinung sollte ein hochstromfähiger Akku in guter Qualität verwendet werden. Alternativ können auch CR123A Batterien verwendet werden. Der Betrieb mit CR123A im Turbo-Modus macht aber wenig Sinn, da die Batterien die hohe Belastung nicht lange aushalten. Von wiederaufladbaren CR123A bzw. 16340 Akkus rät der Hersteller ab, da damit die anvisierten Lichtwerte nicht erreicht werden können. Selber habe ich dies nicht ausgetestet.

Die Lampe bewegt sich im mittleren Preissegment für eine Markenlampe, zurzeit wird sie in der Schweiz für CHF 92.- (ohne Akkus/Batterien und Zubehör) angeboten.

Pro

+ gute Verarbeitung und Qualität
+ hohe Leistung, gleichmässige Lichtverteilung, gute Reichweite
+ akzeptable Lichtfarben ohne störende Färbung
+ Akku-Leer-Warnung
+ Holster im Lieferumfang
+ 4+1 Leuchtstufen
+ niedriges Low (10 Lumen)
+ einfache Bedienung bzw. sinnvolles UI

Cons

- Lampe wird im Turbo Modus sehr heiss

 

 

 

 

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